Jan-Henrik Blohm
Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie
Zusatzbezeichnung Intensivmedizin
Am Königsberg 1 | 29525 Uelzen
Tel. 0581 2704 | Fax 0581 15254
Rezept-Telefon: 0581 212 900 76

Terminvergabe und Hintergründe
Terminverfügbarkeiten nach medizinischer Notwendigkeit und den Vergleich von privat zu gesetzlich Versicherten
Aufgrund der immer wiederkehrenden Diskussion über Termine, Terminverfügbarkeiten nach medizinischer Notwendigkeit und den Vergleich von privat zu gesetzlich Versicherten, stellen wir hier im Sinne der Transparenz Daten unserer Patientenstruktur bereit:
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Praxistermin- und Öffnungszeiten 33 Stunden pro Woche
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gesetzliche Verpflichtung im Rahmen der Kassenärztlichen Tätigkeit 25 Stunden pro Woche
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ca. 6500 behandelte gesetzlich versicherte Patienten pro Jahr,
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davon ca. 800-900 als Notfall oder Terminservicestellenfall
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4-6 Termine werden pro Tag unentschuldigt und kurzfristig entschuldigt nicht wahrgenommen
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Hochgerechnet fast 200 Termine im Jahr.
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ca. 500 behandelte Privatversicherte Patienten im Jahr
D.h. ca. 92% behandelte gesetzlich Versicherte
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davon ca. 12-14 % Patienten, welche nicht in der Praxis bekannt sind oder als Notfallpatienten z.B. vom Hausarzt angemeldet werden.
ca. 8% Privatpatienten
Statistisch gibt es 88% gesetzlich Versicherte in Deutschland (www.destatis.de, 2025).
Warum wir manchmal "Nein" sagen müssen
Viele Patientinnen und Patienten fragen sich:
„Warum bekomme ich manchmal erst spät einen Termin – und warum wirken Arztpraxen oft so überlastet?“
Ein wichtiger Teil der Antwort steckt im aktuellen Honorarsystem der gesetzlichen Kassen.
Wenn die Arztpraxis wie ein Handwerksbetrieb wäre:
Stellen Sie sich einen Handwerksbetrieb vor, zum Beispiel eine Kfz‑Werkstatt:
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Für jede Inspektion fallen feste Kosten an: Personal, Miete, Werkzeuge, Energie.
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Der Betrieb kalkuliert: 50 Euro Kosten, 100 Euro Einnahmen – 50 Euro bleiben als Gewinn.
So würde ein normales Unternehmen funktionieren. Mehr Aufträge bedeuten mehr Umsatz und am Ende – bei sinnvoller Planung – auch mehr Gewinn.
In einer kassenärztlichen Praxis ist es anders: Die gesetzlichen Kassen legen ein Budget („Regelleistungsvolumen“, RLV) fest. Bis zu dieser Grenze werden Behandlungen regulär bezahlt. Alles, was darüber hinausgeht, wird nur noch stark reduziert oder teilweise gar nicht mehr vergütet.
Übertragen auf den Handwerksbetrieb würde das heißen:
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Die ersten 5 Inspektionen werden normal mit 100 Euro bezahlt.
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Ab der 6. Inspektion gibt es nur noch z.B. 10–15 Euro – obwohl die Kosten gleich bleiben.
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Im Extremfall arbeitet der Betrieb für einzelne Aufträge sogar „gratis“ oder mit Verlust.
Genau dieses Prinzip trifft auch viele Facharztpraxen: Mehr arbeiten bedeutet ab einem bestimmten Punkt nicht mehr mehr Einkommen, sondern mehr unbezahlte Arbeit.
Was das konkret für unsere Praxis bedeutet:
Wir haben unsere Abrechnungsdaten der letzten Jahre ausgewertet. Das Ergebnis:
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In mehreren Quartalen haben wir deutlich mehr Leistungen erbracht, als das Budget vorsieht.
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Diese Mehrarbeit wurde nur zu einem kleinen Teil bezahlt – ein Großteil fiel der sogenannten Abstaffelung zum Opfer.
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In der Summe ergibt sich daraus ein Verlust von mehreren zehntausend Euro für Leistungen, die wir tatsächlich erbracht haben.
Mit anderen Worten: Wir haben Patientinnen und Patienten ganz normal behandelt, mussten Personal, Räume und Geräte bezahlen – die Vergütung dafür wurde aber nachträglich gekürzt.
Warum wir das trotzdem machen – und wo die Grenzen liegen:
Medizinisch notwendige Behandlungen lehnen wir selbstverständlich nicht ab, nur weil ein Budget ausgeschöpft ist. Gleichzeitig müssen wir aber darauf achten, dass die Praxis wirtschaftlich überlebensfähig bleibt – sonst wäre irgendwann niemand mehr da, der die Versorgung übernimmt.
Daraus ergeben sich einige Konsequenzen:
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Termine müssen priorisiert werden (Dringlichkeit, Überweisungen (HAVF, Hausarztvermittlungsfall), TSS‑Termine).
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Extrabudgetäre Leistungen (z.B. bestimmte Vermittlungsfälle) werden wichtiger, weil sie nicht der Abstaffelung unterliegen.
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Unsere Kapazität ist nicht nur medizinisch, sondern auch wirtschaftlich begrenzt.
Was wir uns wünschen
Unser Ziel ist eine verlässliche, planbare Vergütung, bei der medizinische Versorgung nicht durch starre Budgets ausgebremst wird.
Wir wünschen uns ein System, in dem gilt:
Wer sorgfältig und viel arbeitet, wird nicht finanziell „bestraft“, sondern kann seine Praxis langfristig stabil führen.
Bis dahin versuchen wir, innerhalb dieses Systems das Beste für unsere Patientinnen und Patienten herauszuholen – mit klaren Prioritäten, transparenter Kommunikation und einem sinnvollen Umgang mit den begrenzten Ressourcen.
Wenn Sie Fragen zu Terminvergabe, Wartezeiten oder unserem Versorgungskonzept haben, sprechen Sie uns gerne an.
